World Demographic & Ageing Forum

9. WDA Regionalanlass

Perspektiven der Altersvorsorge – eine wirtschaftsphilosophische Sprechstunde
St. Gallen, den 10. November 2016

Im Eröffnungsvortrag sprach Professor Dr. Walter Ackermann von der Universität St. Gallen zum Thema ‚Perspektiven der Altersvorsorge’. Der Referent betonte einleitend, dass aktuell im internationalen Vergleich das schweizerische Altersvorsorgesystem nach wie vor sehr gute Noten erhält. Es gehe nun aber darum, diese gute Ausgangslage auch als alternde und überaus gesunde Gesellschaft beizubehalten. Dabei wies der Referent auf zwei Problemfelder hin: 

  • Aus wissenschaftlicher Sicht ist nicht zu bestreiten, dass sowohl in der AHV (1. Säule) wie auch in der beruflichen Vorsorge (2. Säule) sich mittelfristig eine Finanzierungslücke in Milliardenhöhe aufbaut.
  • Ein Hauptproblem der Altersvorsorge ist allerdings der fehlende politische Konsens, der seit Jahren jede Reformdiskussion blockiert.

Der Schwerpunkt seiner Überlegungen galt den mittel- und langfristigen Herausforderungen der Altersvorsorge. Professor  Ackermann analysierte dabei vier zentrale Einflussbereiche:

Demografie, volkswirtschaftliches Wachstum, Arbeit 4.0 sowie gesellschaftlicher Wertewandel.

  • Die verlässlichsten Daten liegen im Bereich der Demografie vor. Bekannt und häufig thematisiert wird dabei der Umstand, dass in den nächsten 20 Jahren die Zahl der Rentner sprunghaft ansteigen wird (Babyboomer-Generation). Der Referent wies jedoch darauf hin, dass diese aus Sicht der Rentenfinanzierung ungünstige Entwicklung nur vorübergehender Natur sei. Er sieht im Phänomen der zunehmenden Langlebigkeit nahezu aller Bevölkerungskreise die entscheidende und dauerhafte Herausforderung für die Altersvorsorge.
  • Das volkswirtschaftliche Wachstum ist von entscheidender Bedeutung für die Sicherung der Leistungsversprechen in der Altersvorsorge. Hier zeigte der Referent auf, dass die durchschnittlichen Zuwachsraten seit Ende des letzten Jahrhunderts in der Mehrheit der entwickelten Volkswirtschaften stark rückläufig sind. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob diese Entwicklung das Ergebnis einer langdauernden Rezession sei, oder ob unsere Volkswirtschaften am Beginn einer säkularen Stagnation – eine langdauernde Wachstumsschwäche – stehen. Nach Ansicht zahlreicher Experten spricht vieles für eine säkulare Stagnation. Eine Entwicklung, welche die langfristige Garantie der ausgesprochenen Leistungsversprechen ernsthaft in Frage stellt.
  • Sowohl die Finanzierung als auch die Rentenansprüche der Altersvorsorge sind eng mit der Erwerbstätigkeit verbunden. Unter dem Stichwort ‚Arbeit 4.0’ zeigte der Referent auf, wie die Digitalisierung die Erwerbsarbeit in den kommenden Jahren fundamental verändern könnte. Aktuelle Studien deuten an, dass in zahlreichen Industrien 20–50 Prozent der Arbeitsplätze substituiert werden könnten – mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Finanzierung eines Sozialstaates.
  • Der vierte relevante Einflussbereich umfasst das weite Spektrum des gesellschaftlichen Wertewandels. Hier stehen Fragen über die Entwicklung der Formen des Zusammenlebens oder die Ausprägung der gesellschaftlichen Solidarität im Zentrum. 

Professor Ackermann fasste die Erkenntnisse seiner Ausführungen in einem ‚Szenario Altersvorsorge 2050’ zusammen. Dabei wurde klar, dass der Reformbedarf in der Altersvorsorge mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden Jahren viel ausgeprägter sein wird, als dies heute von der Öffentlichkeit und dem Politiksystem geschätzt wird. In den Worten des Referenten:

„In unserer heutigen Altersvorsorge spiegeln sich die sozio-ökonomischen Bedingungen einer rasch wachsenden Industriegesellschaft im späten 19. Jahrhundert. Diese ‚DNA’ passt nicht mehr zu den Prämissen einer globalen, digitalisierten Wirtschaft und Gesellschaft im 21. Jahrhundert.“

Der sich abzeichnende Reformbedarf in der Altersvorsorge kann nach Ansicht des Referenten nur in Teilschritten bewältigt werden. In einem ersten Schritt muss Zeit gewonnen werden. Dies kann durch eine Zustimmung zur Altersreform 2020 erreicht werden. Sie stabilisiert das System für die nächsten 10–15 Jahre. In einem zweiten Schritt gilt es, die Altersvorsorge den demografischen Realitäten einer langlebigen Gesellschaft anzupassen. Als dritter und anspruchsvollster Schritt sieht der Referent die Anpassung der Finanzierungs- und Leistungsstrukturen an die veränderten Bedingungen einer digitalen Volkswirtschaft.

Icon filetype pdf Folien der Referenten (2.6 MB)

10. WDA Forum 2016 «Our Next World»

Es klafft eine erhebliche Lücke zwischen der immensen Menge an Wissen, welche die Welt über ihre demografische Zukunft hat - zumindest über den Zeitraum bis zum Jahr 2050 - und die Fähigkeit von Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen auf Basis dieses Wissens zu handeln ...
> Rückblick, Presseberichte, Foto-Galerien und Downloads

Das WDA Forum bedankt sich ganz herzlich bei allen TeilnehmernInnen, ReferentenInnen und HelferInnen.
Bis zum nächsten Mal!

There is a fundamental gap between the immense amount of knowledge the world now has about its demographic future, at least over the period to 2050, and the readiness of governments, companies and individuals to act on that knowledge.
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